Wieso ich mich von meiner ProFire 610 trenne – Still a better love story than twilight

Ich trenne mich nur ungern von der ProFire. Die Soundkarte hat mir sowohl im Studio als auch Live immer außerordentlich gute Dienste erwiesen – Doch wieso will ich sie dann loswerden? A true Love Story. (WARNUNG! Explizite Tech Porn-Passagen!)

Voller Feuer und Leidenschaft: Die ProFire 610

Die Geschichte begann vor etwa eineinhalb Jahren. Ich war schon lange mit meiner damaligen Soundkarte Edirol FA-66 im Studio und Live ein Team. Sie war zwar nicht die hübscheste, ja vielleicht sogar etwas plump. Auch ihre Flexibilität ließ mit nur zwei simultan nutzbaren Eingängen zu wünschen übrig. Kurz gesagt: Sie war nicht gerade die Megan Fox unter den Soundkarten. Aber alles schien ok so wie es war. Und vor Allem konnte ich immer auf sie zählen. Doch das sollte sich bald ändern.

Die FA-66: Nicht gerade die Megan Fox unter den Soundkarten.

Eines Abends wollte ich mich nur nochmal kurz im Proberaum für den Gig am Abend vorbereiten und noch einen wegstecken, als sich die FA-66 aus heiterem Himmel nicht mehr von mir anmachen ließ. Ich fragte was los sei, dachte zunächst an Migräne, doch sie begann grundlos herumzuzicken. Ich bemerkte, dass in ihren LEDs noch immer ein wenig Funkeln war, jedoch gab sie weder Geräusche von sich noch zeigte sie irgend welche Reaktionen, als ich etwas mit ihr einspielen wollte. Sie wollte einfach nicht mehr so wie ich. Es folgte ein Hin und Her aus Reboots, Neuinstallation, Verzweiflung, unnützen Ratschlägen von Freunden, Wut. Den Gig musste ich Solo absolvieren. Von der FA-66 sollte ich lange Zeit nichts mehr hören – Es war vorbei.

Der Schmerz saß tief und das Gedanken-Karussell begann sich in den nächsten Tagen zu drehen: Was war passiert? Hat sie einen Anderen auf sich recorden lassen? Ich machte mir Vorwürfe. War es letztlich meine eigene Schuld, dass es so weit gekommen war? Hatte ich sie schlecht konfiguriert? Hatte ich einfach den Stecker gezogen, als sie gerade auf Touren kam?

Einige Wochen später, nachdem die erste Trauer vorüber war, wurde mir klar, dass das Musizieren weiter gehen musste. Und wie es meistens so ist, wenn man das Schicksal kurz vergisst, begegnete ich kurz darauf die ProFire 610. Ich nahm sie mit zu mir nach Hause. Als ich sie so in ihrem kurzen Schwarzen vor mir liegen sah, war mir sofort klar: Das heiße Ding muss ich haben! Klar, es war eine Trotzreaktion, frei nach dem Motto: „Leck mich! Wenn ich mir schon eine neue Soundkarte anlache, dann aber eine attraktivere – mit mehr Funktionen!“ – Ich bin eben auch nur ein Musiker und habe Bedürfnisse.

Ein versautes Gerät: Mit ihren vielen Ein- und Ausgängen der ProFire konnte ich die wildesten Routing-Phantasien ausleben.

Man mag von M-Audio Soundkarten halten was man will. Einige meinen, sie seien billig zu haben. Andere behaupten, sie würden dich schnell wieder im Stich lassen. Doch schon beim Auspacken war mir klar, dass das eine wahre aurale Befriedigung werden würde. Und ich wurde nicht enttäuscht: Die Aufnahmequalität ist erregend und ihr integrierter, flexibler DSP-Mixer macht multiple Cue-Mix Ohrgasmen möglich. Was sie für Techniken drauf hat! Ich sage nur JetPLL. Mit ihren vielen Ein- und Ausgängen konnte ich die wildesten Routing-Phantasien ausleben. Bei einer besonders harten Live-Orgie bekam sie zwar ein paar Kratzer ab. Trotzdem verführt sie seither unverändert mit ihren Octane-Vorverstärkern. Falls kein Rechner zu Stelle ist, macht es sich dieses versaute Gerät im Stand-Alone-Betrieb auch gern mal selbst. Und erst ihre Maße! Ihre kompakte Bauart ist perfekt für einen Quickie zwischendurch – sogar unterwegs auf der Straße oder in der Bahn. Aber sie hat mit einer Samplerate von 192 auch ein großes KHz! Rundum ein wahrlich heißes Gerät. Die ProFire ist voller Feuer und Leidenschaft.

Ich dachte schon bald kaum noch an die FA-66. Seitdem es zwischen uns Aus war hatte ich ohnehin keine Konnektivität mehr zu meiner Ex-Soundkarte – Bis vor zwei Wochen unglaubliches passierte: Eines Abends wollte ich mit der ProFire mal wieder einige Sounds wegstecken, doch ich konnte die Firewire Kabel-Peitsche nicht finden. Ich schnappte mir kurzerhand das alte von der FA-66, das, seit dem es zu Ende war, in meinem Regal verstaubte, bearbeitete die ProFire mit dem Firewire-Kabel und machte sie an. Langsam steckte das Klinkenkabel in ihre Buchse. Doch die ProFire gab genau so wenig Reaktionen von sich, wie damals die FA-66 im Proberaum.

Sehnt sich nach der straken Schulter eines Musikers, der ihr mal wieder so richtig Sound durch ihre Schaltkreise jagt.

Wer kennt nicht dieses Gefühl: Die einzelnen Teile fügen sich zu einem Ganzen zusammen und allmählich wird einem die gänzliche Bedeutung der Geschehnisse in aller Härte bewusst: Ich hatte damals schlicht übersehen, das Kabel zu überprüfen! Und dadurch die FA66 verloren. Und unnötigerweise unzählige Euros für die ProFire ausgegeben. Ich war verwirrt. Aber wieso? Es war doch alles perfekt mit der ProFire. Mich ließen die Gedanken an die FA-66 nicht los. Es war klar, dass ich mich entscheiden musste. Und dass diese Entscheidung sehr schwer werden würde. Nach langem Grübeln wurde mir klar, dass die FA-66 und ich für einander bestimmt sind – auch wenn sie ihre Macken hat. Schließlich bat ich die FA-66 um Vergebung. Sie nahm die Entschuldigung an. Seitdem sind wir wieder glücklich vereint.

Doch das ProFire leidet nach wie vor schwer unter meiner Entscheidung. Es tut mir sehr leid, sie so alleingelassen sehen zu müssen. Das hat sie nicht verdient. Sie sehnt sich nach der straken Schulter eines Musikers, der ihr mal wieder so richtig Sound durch ihre Schaltkreise jagt. Darum habe ich mich entschieden, das ProFire 610 nun bei eBay an den Höchstbietenden abzugeben.

Wenn Du also nach einer richtig sexy Soundkarte suchst, die mit Dir nicht nur durch Dick und Dünn geht, die Du aber auch mal so richtig hart rannehmen kannst, dann ist die ProFire genau die richtige für Dich. Sie wird Dir danken. Und Du mir.

Hier lang zur Auktion

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