Geld verdienen durch Musikhören?

Die Community audimated.com verspricht nicht nur Independent-Musikern, Geld zu verdienen, sondern auch deren Fans. Diese scheinen jedoch noch auszubleiben. Ist die Geschäftsidee auf taube Ohren gestoßen?

Ich staunte nicht schlecht, als ich gestern eine E-Mail von einem der Gründer von audimated.com in meinem Posteingang fand. Er habe einen Track von mir auf SoundCloud gehört und bat mich darum, ihm die Adresse meines Twitter-Accounts zu senden. Soso. Denn der Track habe „loud driving drums and a good „catchy“ lead (which sticks in my head BTW)“. Aha. Er wolle ihn deshalb twittern und dabei auf meinen Account verweisen. Ja, ne. Is‘ klar. Ich dachte natürlich sofort an Spam. Nach einem kurzen E-Mailwechsel und einer Recherche bei Google und Twitter wurde mir aber klar: Der meint das ernst!

Bereits vor einigen Monaten bin ich auf die Online-Musik-Community gestoßen. Jedoch war die Seite noch ziemlich buggy und mir verschloss sich etwas der Sinn der Seite, so dass sie erst einmal in Vergessenheit geriet. So scheint es aber nicht nur mir ergangen zu sein. Auf den ersten Blick ist audimated.com jedoch keine schlechte Geschäftsidee: User verdienen Geld, wenn sie ihre Lieblings-Songs mit anderen Usern teilen. Das ist ein Argument, sich auf der Seite anzumelden und schafft Plays und Traffic,  was wiederum die Künstler dazu bewegt, Marketing-Pakete zu buchen. Das sind im Endeffekt die Einnahmen für die Betreiber. In einem Artikel auf shoestringventure.com erklärt Gründer Lucas Sommer seine Seite folgendermaßen:

„Our idea was to help independent artists and fans share, discover and monetize music. Audimated would be the first music community where fans can make money sharing their favorite independent songs, while giving artists the tools they need to make money in a music career. Fans could browse videos, find top artists, listen to the radio and discover new music all from one location. Bands and indie artists would keep their copyrights and allow fans to be the sales force for their music, merchandise and products.“

Dennoch habe ich so einige Bedenken bei der Geschäftsidee. Zunächst muss angemerkt werden, dass die Community noch relativ jung ist und noch nicht all zu viel Musik von Künstlern hochgeladen wurde. Fakt ist aber, dass die Seite nicht besonders häufig besucht wird. Das führt dazu, dass der erste Platz der internen Charts mit nur 128 Plays aufwartet. Die Anzahl der Plays scheint zwar kein Indikator für das Ranking selbst zu sein, gibt aber einen Hinweis darauf, wie die Seite frequentiert wird. Die Geschäftsidee lebt aber im doppelten Sinne vom angemeldeten Fan. Denn ohne Konsumenten haben auch die Produzenten keinen Mehrwert von der Seite. Die Haupteinnahmequelle der Betreiber scheint dabei der Verkauf von Premium-Accounts zu sein. Generell stellt sich die Frage, in wie weit das Angebot überhaupt für Künstler weltweit interessant ist – Bemerkenswerterweise stammt ein Großteil der oberen Plätze aus Miami, Florida, der Heimatstadt der Gründer der Seite.

Wenn die Gründer selbst also schon E-Mails rumschicken mit der Bitte, einen Shout out auf Twitter zu posten, zeigt das in meinen Augen, dass sowohl Künstler als auch die Kunden (bzw. Konsumenten) nicht von allein auf ihre Seite finden – und sich vor Allem dort auch registrieren. Es kommt mir vor wie ein hilfloser Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Das sieht man auch an der unteren Leiste der Seite, die mit Medienpartnern vollgepappt ist. Darunter: Wallstreet Journal, Huffington Post, Reuters und eine Menge Business-Magazine. Keine Spur jedoch von Musikmagazinen oder ähnlichen, der Musikszene zugewandten Medien. Die Betreiber sollten sich dabei viel lieber Gedanken darum machen, wieso der Traffic ausbleibt. Eine zu komplizierte Bedienung, der Zwang zur Anmeldung für Konsumenten und ein zu kleines kostenloses Service-Angebot für Künstler scheinen mir die Hauptgründe zu sein. Auch halte ich die strickte Unterscheidung zwischen Konsument und Produzent für mittlerweile zumindest fragwürdig.

Ich habe dem Gründer übrigens letztendlich doch meine Twitter-Adresse zugesendet. Und die Bitte, mich bei audimated.com zu als Freund adden. Dann fühle ich mich in dieser Community-Wüste zumindest nicht mehr ganz so einsam.

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