Aufjubeln für alle Musiker mit nervenden Nachbarn: Das Bundesverfassungsgericht hat in letzter Instanz einer jungen Musikerin recht gegeben, die wegen „erheblicher Ruhestörung“ zu einer Geldbuße verurteilt wurde. Sonntägliches Musizieren sei nicht generell als Lärm einzustufen. Jedoch heisst es weiter:
Der „normative Gehalt“ dieser Begriffe ["Lärm", "erhebliche Ruhestörung", Anm. d. Verf.] müsse präzisiert werden, damit der Betroffene vorhersehen könne, wann er wie lange üben dürfe und wann nicht. Dies folgt aus dem Bestimmtheitsgebot im Grundgesetz, wonach ein Verhalten nur bestraft werden kann, wenn die Strafbarkeit hinreichend bestimmt und damit vorhersehbar war.
Macht mir eh nix, denn meine Nachbarin auf der linken Seite ist 96 Jahre alt und fast Taub und mein Nachbar von der rechten hört selbst bis in die Puppen Ballerman-Hits.
In der weltweit wohl einzigen Techno-Akademie im dänischen Aarhus lernen die Studenten, wie man einer Partymeute einheizt und wie der Druck entsteht, der die Körper der Tänzer vibrieren lässt. Die Absolventen entern derzeit die Berliner Techno-Szene.
Jedoch sieht man an diesem Beispiel mal wieder, wie klischeeartig elektronische Musik in den Medien dargestellt wird: Die „Partymeute einheizen“ ist am Wochenende sicherlich für den ein oder anderen studierenden des zur Royal Academy of Music gehörenden DIEM Alltag. Wenn man sich aber anhört, was für eine Art von Musik diese produzieren und präsentieren, hat das wenig mit dumpfen Technobeats zu tun.
Den Künstlern des DIEM’s – zumindest denen, die ich bei meinem halbjährigen Aufenthalt in Aarhus kennen gelernt habe (darunter übrigens auch Manu aus dem Artikel) – geht es in erster Line darum, die künstlerische Freiheit fernab des Mainstreams auszuleben. Klanginstallationen, schräge Sounds, Kollagen, Rumgefrickel. Die Ansätze reichen von dem, was man im Volksmund E-Musik nennt bis hin zu schrägen IDM-Beats – im Hintergrundrauschen immer die Wörter „philosophisch“ und „abstrakt“ zu hören. DJing und Technoszene ist eher Nebensache.
Das gilt beispielsweise für Jonas R. Im Rahmen des aarhuser RAMA-Festivals 2008 habe ich seine „Installation“ bestaunen dürfen, bei der mit Hilfe von „Saugnapf-Lautsprechern“ elektronische Impulse von Max/MSP an freihängende Metallplatten gesendet werden, die daraufhin zu vibrieren beginnen und so einen unglaublichen Klang von sich geben.
Von einer Techno-Akademie zu sprechen wird dem DIEM also auf keinem Fall gerecht. Etwas schräg sind die Leute dort aber schon – und vielleicht auch etwas elitär. Aber nicht Techno. Und schon garnicht DJ.
In Kooperation mit Intel hat das Vice-Mag Interviews mit einigen französischen Electro-Acts geführt. Unter anderem dabei sind DJ Mehdi und die Justice Video-Crew. Sehr geflasht hat mich allerdings das Interview mit Laurent Garnier.
Das Video kann ich aber leider selbst nicht posten. WordPress verbietet es mir nämlich, Videocode hier selbst reinzuschreiben so dass ich nur auf Youtube, Google-Video und DailyMotion verlinken kann.
Sorry WordPress.com: Was soll der Scheiß?!?
Um das Video dennoch zu schauen – was ich unbedingt empfehle – einfach dem Link unten folgen!
Erst das Eigenharp und jetzt schon wieder ein neues elektroakkustisches Instrument: Ein elektronisches Didgeridoo-Irgendwas mit realtime-audioprocessing, das auch noch über Bluetooth mit Max/MSP kommuniziert!
Der Erfinder Kyle Evas:
I created this instrument to experiment in the combination of the organic sound qualities of a didgeridoo with the advanced signal processing capabilities of modern computer programming and sound synthesis. This custom built didgeridoo features externally mounted modules that allow the performer to process and manipulate the sound of the instrument in real time. All control data is transmitted wirelessly via blue tooth and is controlling several audio processes created in a custom-built software environment. If you have any questions about the instrument please feel free to ask.
Fragt sich nurnoch, wann das Dingsbums in Serie geht. Ich brauche das.
Ich kenne folgendes Heimvideo über ein DIY-monome schon länger, aber dass der Urheber dieses Videos bitbutter sein Gerät Kreationisten empfiehlt, damit sie das Prinzip der Emergenz endlich verstünden, ist wohl völlig an mir vorbeigegangen. Was bei dem Titel eigentlich unglaublich dämlich ist.
Leider bringt er mit seiner Definition von Emergenz („[...]the idea that through the action of very simple rules – or simple behaviors – applied many times over, complexity can emerge.“) nicht direkt auf den Punkt, worum es bei Emergenz eigentlich geht. Er beschreibt vielmehr „Conway’s game of life“ auf das er ja auch verweist. Darauf werde ich gleich zurück kommen.
Der eigentliche Punkt bei Emergenz ist, dass die Elemente eines komplexen Systems für seine Eigenschaften verantwortlich sind. Dabei ist es für die Elemente, aus denen das System besteht, selbst nicht von Bedeutung, dass sie Teil dieses Systems sind. Beispielsweise sei ein einzelnes Goldatom nicht Gelb und glänzend (Siehe Anderson 2000, S.178). Dieser Grundgedanke lässt sich durch sämtliche Systeme unseres Universums und Lebenswelt durchdeklinieren und bildet ein Grundprinzip, sowohl um physikalische sowie soziale Prozesse verstehen zu können.
Worauf bitbutter eigentlich hinaus wollte ist „Conway’s game of life“. In diesem vom Mathematiker John Horton Conway 1970 entwickelten System agieren dessen Elemente nach ganz einfachen Regeln bzw. Mustern („Patterns“), woraus eine neue Komplexität auf der Makroebene entsteht. Auf math.com gibt es ein Java-Programm dazu, welches genau dieses Phänomen veranschaulicht. Unbedingt anschauen! Und um mal zurück auf die Musik zu kommen: bitbutters DIY-monome funktioniert eben genau nach diesen Regeln von Conway.
Interessant sind die Schlussfolgerungen in Anbetracht kreationistischer Übelegungen: Meiner Meinung nach kann Emergenz per Definition keinen Erschaffer im kreationistischen Sinn beinhalten, jedoch gibt es einen Knackpunkt: Wenn man die Emergenztheorie stringent weiterdenkt, können die Regeln, auf dessen Grundlage die Elemente agieren (also die Naturgesetze) nicht durch die Elemente selbst erklärt werden, sondern wiederum nur durch Ihre Bestandteile heraus. Dies führt zu einer immer stärkeren fragmentierung der Elemente. Für unsere Welt bedeutet das aber: Bei der Heisenbergschen Unschärfe ist Schluss. Ist also Gott im kleinen zu suchen? Und wenn ich mit diesen Überlegungen falsch liege (vor allem weil Elemente unteschiedlicher Ebenen sich durchaus direkt beeinflussen können): Who the fuck made the rules???
Aus den Comments:
„Life demonstrates the fact that complexity can spontaneously arise from simple rules and randomness. Far from being of ‘no significance’, this is the crux to understanding emergence.“
Spielzeug oder nicht? Das frage ich mich ja schon bei den ganzen kleinen, blinkenden Dingern, die gerade den Markt überschwämmen. Nun kommt ein neues Gerät raus – Für umgerechnet 30 Euro! Wie CDM schreibt: „hackable“. Gut, denn mit der Standardversion hätte ich nicht so viel Spaß:
Der Hype um die blinkenden Knopfreihen scheint mir ein wenig inflationär. It’s too overcrowded! Es sind doch nur ein Paar Knopfreihen, die 8tel -Noten von sich geben.
Mein Gemecker nicht falsch verstehen: Ich halte diese Art von Interaktion mit Elektronik für sehr interessant. Gerade Geräte wie das monome, die den PC ansteuern. Mehr noch: Ich denke es hat die elektroakkustische Welt revolutioniert. Sicherlich muss bei dieser Revolution erst einmal die Spreu vom Weizen getrennt werden. Viele Funktionen sind in meinen Augen Sinnlos (Bsp. Faderregelung durch Buttons bei 7up) und die Handhabung ist in weiten Teilen noch nicht intuitiv genug. Diese Kinderkrankheiten werden dem Open-Source Ansatz vieler Projekte sei Dank aber wohl bald der Vergangenheit angehören.
Eine Befürchtung bleibt mir aber : Der Rückfall in die 80er Jahre. Step-Sequenzer waren das Resultat mangelnder technischer Möglichkeiten jener Zeit. Wir scheinen dorthin zurückzufallen. Vielleicht. Vielleicht bleibt es auch nur ein Spielzeug.
Netter Blog mit vielen Videos, in denen Leute auf ihren MPC’s rumklöppen. Ein Paar deppen dabei, aber im Großen und Ganzen eine schöne Sammlung von daheim entstandenen HipHop-Beats. Aber auch Techno gibt’s:
Vergangenes Wochenende hatte ich das Vergnügen, die Live-Performance von Mini Roc in der Reihe „Tunes!“ im Kulturcafé der Ruhr-Uni Bochum zu bestaunen. Mini Roc macht 8-Bit-Gameboy-Geklöppel allererster Sahne. In Europa ist er mit seinen beiden Gameboys schon recht viel rumgekommen, am Samstag hatte er in Bochum wiedermal ein Heimspiel.
Besonders beeindruckt hat mich nicht etwa die Performance an sich sondern vielmehr der Sound. Sicherlich kamen nicht alle Sounds von seinen „Hauptinstrumenten“, den zwei Gameboys. Vor Allem die Bassdrums waren alles andere als 8-Bit. Ich nehme an, dass sie von der PSP kamen, die meiner Vermutung nach durch die Gameboys – mit Hilfe des Link-Kabels und einem „Data-Sync-Kasten“ – getriggert wurde. Ausserdem wurden einige Sounds von einem Minidisc-Player abgespielt.
Das macht aber garnichts. Im Gegenteil: Gerade bei einem Lo-Fi Ansatz, der den Anspruch hat tanzbar zu sein ist es wichtig, bestimmte Soundstandards beizubehalten um das zum Teil ungewohnte Gehör des Publikums nicht überzustrapazieren. Ausserem soll es ja fett klingen: 8-Bit-Nostalgie schön und gut, aber dafür braucht man nicht dogmatisch auf die elektro-akkustischen Errungenschaften des 21ten Jahrhunderts verzichten. Lo-Fi im Hi-Fi Gewand sozusagen. Das schafft Mini Roc in jedem Fall.
hier endlich die Video-Playlist des Auftritts im WP8 letzten Juli. Leider lassen sich bei wordpress.com keine Playlist einbetten, so dass ich an dieser Stelle nur auf den Link verweisen kann.