Das gesamte Internet und der rest der Medienwirklichkeit fragt sich gerade, ob man sich das iPad nun kaufen solle oder nicht. FAZ.net dagegen hat die neue Technologie und ihre Auswirkungen auf unser Medienverhalten mal aus einer eher anthropologischen Perspektive beleuchtet.
Der Autor zeichnet ein weitgehend dunkles Bild für Open Source, Creative Commons und sogar für aktive Beteiligung im Internet. Zitat:
Das technologische Äquivalent für „non-free“ sind geschlossene Systeme, wie sie jetzt von Apple angeboten werden. Apple kann den Markt nicht vergewaltigen. Aber es könnte sein, dass das Plebiszit des Marktes – wie schon beim iPhone – der neuen Aufmerksamkeitsökonomie und der inhärenten Ideologie des Geräts zum Triumph verhilft. Kann sein, dass die heutige Zwischengeneration dem Wandel widersteht. Aber schon die heutigen Kinder werden nicht mehr mit den Systemen aufwachsen, die nur deshalb vergleichsweise offen waren, weil ihre Entwicklungsgeschichte so chaotisch verlief.
Sehr lesenswerter Artikel. Nicht nur für Technologiepessimisten.
Und noch ein (fast) kostenloses VST-Instrument! Bei thepiz.org kann man nun den bendingfähig anmutenden Software-Synt Mr. Alias Pro gegen eine kleine Spende erwerben. Schräge Sounds und Krach sind damit garantiert!
Duzende Plugins von xoxos liegen derzeit auf ihrer Homepage kostenlos zum runterzuladen bereit. Habe mich da noch nicht durchgeschlagen, aber wenn ich mir einen Überblick gemacht habe folgt ein Bericht.
Auf NoiseAddicts.com gibts passend zum neuen Jahrzehnt einen tollen Artikel, der zusammenfasst, wie unglaublich heftig sich eigentlich die Verbreitung und der Konsum von Musik mit der fortschreitenden Technologie in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Sehr schön:
[...]one of the world’s biggest bands offering their new album online for however much you want to pay for it? Oh yeah, and next you’ll be telling me that you can point your phone at a radio and it’ll tell you what song’s playing. Riiiight
Auch wenn’s noch keine fliegenden Autos gibt: Wir leben in der Zukunft. Toll!
Aufjubeln für alle Musiker mit nervenden Nachbarn: Das Bundesverfassungsgericht hat in letzter Instanz einer jungen Musikerin recht gegeben, die wegen “erheblicher Ruhestörung” zu einer Geldbuße verurteilt wurde. Sonntägliches Musizieren sei nicht generell als Lärm einzustufen. Jedoch heisst es weiter:
Der “normative Gehalt” dieser Begriffe ["Lärm", "erhebliche Ruhestörung", Anm. d. Verf.] müsse präzisiert werden, damit der Betroffene vorhersehen könne, wann er wie lange üben dürfe und wann nicht. Dies folgt aus dem Bestimmtheitsgebot im Grundgesetz, wonach ein Verhalten nur bestraft werden kann, wenn die Strafbarkeit hinreichend bestimmt und damit vorhersehbar war.
Macht mir eh nix, denn meine Nachbarin auf der linken Seite ist 96 Jahre alt und fast Taub und mein Nachbar von der rechten hört selbst bis in die Puppen Ballerman-Hits.
In der weltweit wohl einzigen Techno-Akademie im dänischen Aarhus lernen die Studenten, wie man einer Partymeute einheizt und wie der Druck entsteht, der die Körper der Tänzer vibrieren lässt. Die Absolventen entern derzeit die Berliner Techno-Szene.
Jedoch sieht man an diesem Beispiel mal wieder, wie klischeeartig elektronische Musik in den Medien dargestellt wird: Die “Partymeute einheizen” ist am Wochenende sicherlich für den ein oder anderen studierenden des zur Royal Academy of Music gehörenden DIEM Alltag. Wenn man sich aber anhört, was für eine Art von Musik diese produzieren und präsentieren, hat das wenig mit dumpfen Technobeats zu tun.
Den Künstlern des DIEM’s – zumindest denen, die ich bei meinem halbjährigen Aufenthalt in Aarhus kennen gelernt habe (darunter übrigens auch Manu aus dem Artikel) – geht es in erster Line darum, die künstlerische Freiheit fernab des Mainstreams auszuleben. Klanginstallationen, schräge Sounds, Kollagen, Rumgefrickel. Die Ansätze reichen von dem, was man im Volksmund E-Musik nennt bis hin zu schrägen IDM-Beats – im Hintergrundrauschen immer die Wörter “philosophisch” und “abstrakt” zu hören. DJing und Technoszene ist eher Nebensache.
Das gilt beispielsweise für Jonas R. Im Rahmen des aarhuser RAMA-Festivals 2008 habe ich seine “Installation” bestaunen dürfen, bei der mit Hilfe von “Saugnapf-Lautsprechern” elektronische Impulse von Max/MSP an freihängende Metallplatten gesendet werden, die daraufhin zu vibrieren beginnen und so einen unglaublichen Klang von sich geben.
Von einer Techno-Akademie zu sprechen wird dem DIEM also auf keinem Fall gerecht. Etwas schräg sind die Leute dort aber schon – und vielleicht auch etwas elitär. Aber nicht Techno. Und schon garnicht DJ.
In Kooperation mit Intel hat das Vice-Mag Interviews mit einigen französischen Electro-Acts geführt. Unter anderem dabei sind DJ Mehdi und die Justice Video-Crew. Sehr geflasht hat mich allerdings das Interview mit Laurent Garnier.
Das Video kann ich aber leider selbst nicht posten. WordPress verbietet es mir nämlich, Videocode hier selbst reinzuschreiben so dass ich nur auf Youtube, Google-Video und DailyMotion verlinken kann.
Sorry WordPress.com: Was soll der Scheiß?!?
Um das Video dennoch zu schauen – was ich unbedingt empfehle – einfach dem Link unten folgen!
Erst das Eigenharp und jetzt schon wieder ein neues elektroakkustisches Instrument: Ein elektronisches Didgeridoo-Irgendwas mit realtime-audioprocessing, das auch noch über Bluetooth mit Max/MSP kommuniziert!
Der Erfinder Kyle Evas:
I created this instrument to experiment in the combination of the organic sound qualities of a didgeridoo with the advanced signal processing capabilities of modern computer programming and sound synthesis. This custom built didgeridoo features externally mounted modules that allow the performer to process and manipulate the sound of the instrument in real time. All control data is transmitted wirelessly via blue tooth and is controlling several audio processes created in a custom-built software environment. If you have any questions about the instrument please feel free to ask.
Fragt sich nurnoch, wann das Dingsbums in Serie geht. Ich brauche das.
Ich kenne folgendes Heimvideo über ein DIY-monome schon länger, aber dass der Urheber dieses Videos bitbutter sein Gerät Kreationisten empfiehlt, damit sie das Prinzip der Emergenz endlich verstünden, ist wohl völlig an mir vorbeigegangen. Was bei dem Titel eigentlich unglaublich dämlich ist.
Leider bringt er mit seiner Definition von Emergenz (“[...]the idea that through the action of very simple rules – or simple behaviors – applied many times over, complexity can emerge.”) nicht direkt auf den Punkt, worum es bei Emergenz eigentlich geht. Er beschreibt vielmehr “Conway’s game of life” auf das er ja auch verweist. Darauf werde ich gleich zurück kommen.
Der eigentliche Punkt bei Emergenz ist, dass die Elemente eines komplexen Systems für seine Eigenschaften verantwortlich sind. Dabei ist es für die Elemente, aus denen das System besteht, selbst nicht von Bedeutung, dass sie Teil dieses Systems sind. Beispielsweise sei ein einzelnes Goldatom nicht Gelb und glänzend (Siehe Anderson 2000, S.178). Dieser Grundgedanke lässt sich durch sämtliche Systeme unseres Universums und Lebenswelt durchdeklinieren und bildet ein Grundprinzip, sowohl um physikalische sowie soziale Prozesse verstehen zu können.
Worauf bitbutter eigentlich hinaus wollte ist “Conway’s game of life”. In diesem vom Mathematiker John Horton Conway 1970 entwickelten System agieren dessen Elemente nach ganz einfachen Regeln bzw. Mustern (“Patterns”), woraus eine neue Komplexität auf der Makroebene entsteht. Auf math.com gibt es ein Java-Programm dazu, welches genau dieses Phänomen veranschaulicht. Unbedingt anschauen! Und um mal zurück auf die Musik zu kommen: bitbutters DIY-monome funktioniert eben genau nach diesen Regeln von Conway.
Interessant sind die Schlussfolgerungen in Anbetracht kreationistischer Übelegungen: Meiner Meinung nach kann Emergenz per Definition keinen Erschaffer im kreationistischen Sinn beinhalten, jedoch gibt es einen Knackpunkt: Wenn man die Emergenztheorie stringent weiterdenkt, können die Regeln, auf dessen Grundlage die Elemente agieren (also die Naturgesetze) nicht durch die Elemente selbst erklärt werden, sondern wiederum nur durch Ihre Bestandteile heraus. Dies führt zu einer immer stärkeren fragmentierung der Elemente. Für unsere Welt bedeutet das aber: Bei der Heisenbergschen Unschärfe ist Schluss. Ist also Gott im kleinen zu suchen? Und wenn ich mit diesen Überlegungen falsch liege (vor allem weil Elemente unteschiedlicher Ebenen sich durchaus direkt beeinflussen können): Who the fuck made the rules???
Aus den Comments:
“Life demonstrates the fact that complexity can spontaneously arise from simple rules and randomness. Far from being of ‘no significance’, this is the crux to understanding emergence.”